Julia Fandler ist die Inhaberin der steirischen Ölmühle Fandler. Im Interview verrät uns die Öl-Expertin, warum Fette so wichtig für den Körper sind – und räumt zugleich mit diversen Mythen rund um das Thema Fette und Öle auf. 

go4health à la carte: Öle und Fette haben oft einen schlechten Ruf. Insbesondere für Abnehmfreudige ist das Wort „Fett“ ein rotes Tuch. Was bedeuten Fette wirklich für den Körper?

Julia Fandler: Der schlechte Ruf betrifft eher tierische Fette. Sie werden oft in zu großen Mengen verzehrt und erhöhen so zum Beispiel den Cholesterinspiegel und steigern damit unter anderem das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Fette sind zwar sehr energiereich, aber für den menschlichen Körper lebensnotwendig! Sie kommen in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Sie dienen als Energielieferant und -speicher sowie als Baustoff, Wärmeschutz und Transportmittel. Öle, nämlich die pflanzlichen Fette, enthalten essenzielle Fettsäuren wie die Omega-3 Fettsäuren. Essenziell bedeutet, dass sie für den Körper lebensnotwendig sind, er sie aber selbst nicht herstellen kann. Diese Fettsäuren müssen von außen zugeführt werden.

Alles in allem gilt:

Auf die Menge kommt es an! Und: Die Qualität der Fette entscheidet, ob man seinem Körper etwas Gutes tut oder nicht.

go4health à la carte: Welche Öle zählen zu den gesündesten und warum?

Julia Fandler: Ein Öl, das aufgrund seines sehr hohen Gehalts an essenziellen Omega-3 Fettsäuren schon lange in der gesunden Ernährung geschätzt wird, ist das altbewährte Leinöl.

Einen hohen Anteil an Omega-3 Fettsäuren haben aber auch Camelinaöl (Leindotteröl) oder das seit kurzem sehr beliebte Chiaöl. Chiaöl wird sogar als Nahrungsergänzungsmittel verwendet! Hanföl punktet mit Gamma-Linolensäure, die essenziell für Gehirn und Blutdruck ist.

go4health à la carte: Was zeichnet qualitativ hochwertige Öle aus? 

Julia Fandler: In unseren Augen sind hochwertige Öle aus gesunden, sauberen und ausgereiften Kernen bzw. Saaten mechanisch gepresst. Sie müssen frei von Zusatzstoffen und Lösungsmitteln sein. So bleibt die natürliche Farbe erhalten und der arttypische Duft und intensive Geschmack kommen bestmöglich zur Geltung. Außerdem bleiben beim mechanischen Pressverfahren und bei der Kaltpressung die wertvollen Inhaltsstoffe enthalten.

go4health à la carte: Woran erkennt man hochwertiges Öl? Als Laie ist das oft schwer zu erkennen – gibt es bestimmte Kriterien?

Julia Fandler: Ein hochwertiges, kaltgepresstes Öl erkennt man an der arteigenen Farbe. Sein charakteristischer Duft und Geschmack muss dem Rohstoff entsprechen. Das bedeutet: Ein Sonnenblumenöl schmeckt nach Sonnenblumenkernen und auch ein Mohnöl hat einen arttypischen Duft und Geschmack. Manche Sorten wie LeinölChiaölHanföl oder Rapsöl sollten nur kalt verwendet werden, um ihre wertvollen Inhaltsstoffe zu bewahren.

go4health à la carte: Gibt es bestimmte Labels, auf die man achten sollte?

Julia Fandler: Orientierung geben können Logos wie das g.g.A. Siegel, das beim Kürbiskernöl die Herkunft aus Österreich garantiert. Über den Geschmack verrät das Label allerdings nichts! Der Vermerk „kaltgepresst“ gibt Auskunft darüber, dass das Öl schonend hergestellt und nicht hocherhitzt wurde. So bleiben Vitalstoffe bestmöglich erhalten. Beim Olivenöl gibt es vier Qualitätsstufen, die Auskunft über Herstellungsverfahren und Säuregehalt der Öle geben. Die erste und somit höchste Güteklasse trägt die Bezeichnung „natives Olivenöl extra“ bzw. „extra vergine“.

Gesunde Fette, wie Walnussöl, senken den Cholesterinspiegel.

(c) Ölmühle Fandler

go4health à la carte: Welche Rolle spielen mögliche Schadstoffe bei der Verarbeitung? So manches Olivenöl ist in diesem Zusammenhang ja bereits in Verruf geraten …

Julia Fandler: Unsere Lieferanten lassen vor der Anlieferung die Rohware testen und müssen entsprechende Zeugnisse vorweisen. Nur wenn alles in Ordnung ist, werden die Kerne und Samen von uns verarbeitet. Außerdem gibt es laufend Stichproben bei den fertigen Ölen, um einwandfreie Produkte zu gewährleisten.

go4health à la carte: Wofür verwendet man die einzelnen Ölsorten aus Ihrem Sortiment am besten in der Küche und warum? 

Julia Fandler: Jedes unserer Fandler Öle kann für alle Arten von Salaten, Suppen, Saucen und Aufstrichen sowie zum Verfeinern und Abschmecken von Getreide, Gemüse, Fisch und Fleisch verwendet werden. Ganz nach Geschmack und persönlicher Vorliebe! Falsch machen kann man ohnehin nichts. Erdnussöl, Olivenöl, Sesamöl und Traubenkernöl sind auch zum behutsamen Anbraten und Erwärmen geeignet. Genießen Sie einmal den feinen Nougatgeschmack einer Palatschinke, die in Haselnussöl gebacken wurde. Einfach großartig!

 

Öl-Expertin Julia Fandler im Interview.

(c) Ölmühle Fandler

go4health à la carte: Worauf muss man bei der Lagerung von Ölen achten? Sind die Lagerungsbedingungen der Öle verschieden?

Julia Fandler: Grundsätzlich sollten Öle vor Wärme und Licht geschützt gelagert und angebrochene Flaschen immer gut verschlossen werden. Große Ausnahme ist Leinöl: Es gehört unbedingt in den Kühlschrank! Leinöl ist sehr empfindlich für Wärme. Manche Sorten wie Olivenöl oder Erdnussöl hingegen können bei einer Lagerung im Kühlschrank stocken. Keine Sorge: bei Zimmertemperatur verflüssigen sie sich ohne Qualitätsverluste wieder!

go4health à la carte: Woran erkennt man, ob ein Öl noch gut ist? 

Julia Fandler: Zuallererst gibt natürlich das Mindesthaltbarkeitsdatum Auskunft, bis wann ein Öl bei sachgemäßer Lagerung haltbar ist. Es kann aber durchaus länger haltbar sein. Zwar ist eventuell mit Einbußen in Bezug auf die Intensität des Geschmacks oder der Inhaltsstoffe zu rechnen, das Öl ist aber nicht zwangsläufig ungenießbar. Spätestens nach einem kurzen Geruchs- und Geschmackstest haben Sie Gewissheit, ob Ihr Öl noch zum Verzehr geeignet ist. Duftet und schmeckt ein Öl noch einwandfrei, kann es auf jeden Fall über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus verwendet werden.

go4health à la carte: Wann muss das Öl auf jeden Fall in die Tonne?

Julia Fandler: Bei unsachgemäßer Lagerung oder wenn das Öl zu alt ist und verdorben, modrig oder metallisch schmeckt, sollte es nicht mehr verwendet werden.


Unser Fazit

Hochwertige Öle mit essenziellen Fettsäuren sind ein wichtiger Bestandteil einer gesunden, ausgewogenen Ernährung. Fest steht: Die Qualität der Öle sollte an erster Stelle stehen!

 

Fotocredits (3): Ölmühle Fandler